Snackcheck is a Vienna based foodblog and restaurant guide. Mostly vegetarian and vegan. Take a tasty look over the edge!

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Fischkreationen vom Sicher auf Haubenniveau

12th August 2015

Anlässlich einer Geburtstagsfeier hat es mich vergangene Woche in den Süden, zuerst von Wien nach Kärnten und in Zuge dessen zu einem kulinarischen Ausflug von Klagenfurt nach Tainach ins Restaurant Sicher verschlagen. Versteckt in einem kleinen Dorf hinter den Bergen trifft es gar nicht mal so schlecht.

Der Familienbetrieb, der sich 3 Hauben erkocht hat, bietet Fischgenuss auf höchstem Niveau. Einen Flexiganer (=flexibel agierend zwischen vegan und vegetarisch) wie mich stellt dies zugegebenermaßen vor eine kulinarische Herausforderung und deshalb habe ich mich für diesen Abend zu einer Ausnahme entschlossen, denn was wäre ein Snackcheck einem Fischrestaurant ohne den Fisch auch wirklich probiert zu haben?

Schon die Anfahrt beweist: Wenn die Küche herausragt und über die (Bundesland-)Grenzen hinweg bekannt ist, kommen die Gäste offensichtlich von überall her. Die Lage lässt sich gut und gerne als abgeschieden bezeichnen. Und das ist auch gewollt. Das alte Sägewerk wurde vor rund 35 Jahren als Gastbetrieb umgebaut und zugleich wurde der Fokus auf die Forellen- und Saiblingszucht gelegt.

Gastgarten ©Snackcheck

Garten Dekoration ©Snackcheck

Betritt man den mit viel Liebe zum Detail dekorierten Gastgarten fällt auch der letze Alltagsstress ab, man wird persönlich von den Gastgebern begrüßt und fühlt sich augenblicklich wohl. Die Speisekarte liest sich modern, viele der Zutaten werden regional angebaut und verarbeitet.

Brotgedeck ©snackcheck

Nach einer Variation von Butter, Safranglundner und Frischkäse sowie verschiedenen frisch gebackenen Brotsorten folgte der Gruß aus der Küche, der in diesem Fall aus einem Saiblingsfilet mit Kichererbsenmuß und einer Leberpraline bestand. Letzteres habe ich nicht probiert, war aber mehrfach bestätigt vorzüglich.

Flusskrebse ©snackcheck

Meine Vorspeise, bestehend aus Jauntaler Flusskrebse, Ziegenfrischkäse, Melone, Tomate und Basilikum (EUR 24) war genau so wie ich es mir vorgestellt habe. Erfrischend, schön angerichtet und dabei doch nicht zu üppig. Melone und Schalentiere passen hervorragend zusammen und haben gemeinsam mit dem Basilikumpesto und den in Paprika gerollten Frischkäse eine würzige Note ergeben.

Sashimi ©snackcheck

Das wirkliche Vorspeisen-Highlight war allerdings das Sashimi mit Gewürzlax'n nach Art des Hauses & dreierlei Kaviar (EUR 26). Angereichert mit einer Wasabi- und Rote Rüben-Creme sowie Tofuwürfel, Melone und Glasnudeln konnte auch ich mich nach belieben den verschiedenen Geschmacksvariationen hingeben. Der berühmte Sicher Kärnter Kaviar wird übrigens nicht nur im Restaurant, sondern mittlerweile in ganz Europa vertrieben, wodurch sich das Restaurant zu den 130 besten Produzenten zählen darf.

Saibling ©snackcheck

Als Hauptspeise viel die Wahl bei mir auf einen gebratenen Saibling mit Gemüse als Beilage. Um ehrlich zu sein hätte ich mir nach der Vorspeise mehr in Hinblick auf die Präsentation erwartet. Der Fisch wirkte so ganz alleine am Teller recht verloren, für das Foto habe ich noch rasch ein wenig Gemüse dazu gegeben. Auf die Kartoffeln als Beilage habe ich bei der Bestellung verzichtet. Der Fisch war schön kross gebraten und gut gewürzt, das Gemüse knackig und bissfest, so wie es sein sollte.

Lamm ©snackcheck

Etwas untypisch für ein Fischrestaurant hat sich meine bessere Hälfte dann für die Lammempfehlung, das Lavanttaler Kamerun Lamm mit Epazote, Yamsknolle und Strankerl, entschieden. Im Vergleich zu den Vorspeisen wirkte die Präsentation der Hauptgerichte also schon insgesamt etwas bodenständiger, das Lamm ist aber eine absolute Empfehlung wert habe ich mir sagen lassen.

Cannabiseis ©snackcheck

Räucherpfirsich, Cannabiseis und Bauerntopfen (EUR 14) lautete dann die Wahl meines Desserts. Spannend präsentierte sich dieses mit einer mit Rauch gefüllten Glaskuppel, die am Tisch geöffnet wurde. Das rauchige Aroma harmonierte ausgezeichnet mit dem Bauerntopfen, ob sich in dem nachempfundenen Joint Mohn versteckt hat konnte ich leider nicht mit Gewissheit sagen. Die frische des Cannabiseis hat die Üppigkeit des Topfens gut ausgeglichen, insgesamt kann man es aber als üppiges Dessert, das durchaus auch für zwei Personen ausreicht, bezeichnen.

Mein Fazit

In Kärnten ist ja bekanntlich vieles anderes. Während sich Restaurants dieser Preisklasse und Haubendichte in Wien gerne besonders elegant (zu) geben (versuchen), punktet man im Süden eher mit familiärem Charme, dem Kärntner Schmäh und ein wenig Laissez faire. Viele Kärntner lieben eben genau das Ambiente, dass so ein Familienbetriebe mit sich bringt.

Vor kleinen Hoppalas bleibt aber offensichtlich auch ein 3-Hauben-Lokal nicht verschont. Wenn es Kritikpunkte gibt, dann wohl am ehesten noch Kleinigkeiten, über die man eigentlich hinwegsehen kann. Da wären das zum Teil vielleicht noch ein wenig auszubildende Servicepersonal, dass die Karte besser kennen könnte, die Tische verwechselt, den Wein auch mal gerne ungefragt nachschenkt oder das Kaffeeangebot nicht ganz genau kennt. Insgesamt keine nennenswerten Vorkommnisse, währen da nicht die 3 Hauben, die natürlich schon eine sehr hohe Erwartungshaltung erzeugen. Wettmachen tut dies in jedem Fall das entspannende Ambiente und zuvorkommende und aufmerksame Verhalten der Gastgeber sowie die Qualität der Gerichte, die unbestritten auch Vegetarier offensichtlich begeistern können.

Location
Restaurant Sicher
Mühlenweg 2
9121 Tainaich
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